Hoch über dem Tal des Klosterwassers im südwestlichen Ende eines Geländesporns thront die 260 x 160 m große Wallanlage von Ostro. „Das sächsische Troja“, wie Paul Scholze 1918 die Schanze überschwänglich betitelte, ist zweifellos das imposanteste Bodendenkmal der Oberlausitz.
3000 Jahre Geschichte der Oberlausitz lassen sich hier ablesen, wenn man die Spuren zu deuten versteht.
Auf dem Bergsporn, auf dem sich heute die Ostroer Schanze erhebt, entstand vermutlich 1000 v. Chr. eine offene Siedlung. Es ist die Blütezeit der Lausitzer Kultur (1400-500 v. Chr.), und die Oberlausitz ist dicht besiedelt. Im 7. Jh. v. Chr. wurde die Siedlung Ostro von den Menschen der Billendorfer Gruppe (750-500 v. Chr.) erstmals befestigt.
Der einzige Zugang zur Burg war so gelegt, dass Besucher eine längere Strecke direkt am Wall passieren mussten. Ein vermeintlicher Angreifer musste dabei mit der Schwerthand Richtung Verteidiger vorwärts schreiten und hatte keine Chance, sich mit dem Schild zu verteidigen.
Der innere Wallbereich war vermutlich dicht mit Holzhäusern bebaut. Massenhaft geborgene Getreidereste zeigen die bedeutende Rolle Ostros bei der Verwaltung, Lagerung und Umverteilung der Lebensmittel.
Kurz vor dem Ende der Billendorfer Gruppe wird die Ostro genau wie andere Befestigungsanlagen der Region aufgegeben, und ab 500 v. Chr. bleibt nicht nur Ostro, sondern die ganze Oberlausitz ohne menschliche Siedlung.
Die Anlage bleibt 1500 Jahre unbenutzt, bis sie im 10. Jh. vermutlich von den Milzenern wieder in Betrieb genommen wird.
Die Ostroer Schanze ist seitdem in eine wuchtige Oberburg mit 80x80 m Durchmesser und eine davor gelagerte Unterburg geteilt.
Den zeitlichen Abschluss bildet der Turmhügel, der wohl im 13. Jh. auf die Wallkrone aufgesetzt wurde.
Kurz darauf verloren, nach längeren politischen Auseinandersetzungen zwischen Meißen, Böhmen und Polen, die großen ländlichen Burgen der Lausitz ihre Funktion.
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