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Horní Police (Oberpolitz) – ein vergessener Wallfahrtsort?

Oberpolitz ist eine kleine Ortschaft mit ungefähr 700 Einwohnern. Sie liegt im Bezirk Liberec (Reichenberg), unweit der Stadt Česká Lípa (Böhmisch Leipa). Zahlreiche Besucher begeben sich bergauf, zu einem Felsenvorsprung, um die Wallfahrtsanlage Mariä Heimsuchung zu besichtigen, die als eine bedeutsame Dominante der Ortschaft und ein wichtiger Orientierungspunkt in der Landschaft gilt. Die Wallfahrtsanlage wurde ins zentrale Denkmalverzeichnis der damaligen Tschechoslowakei schon im Jahr 1958 eingetragen. Es gibt Belege, dass eine mittelalterliche Kirche spätestens Mitte des 13. Jahrhunderts in Oberpolitz stand, die vom Kloster in Doksany verwaltet wurde. In der Barockzeit wurde sie umgebaut: die Barockumgestaltung prägt das heutige Aussehen der Wallfahrtsstätte.

Einer überlieferten Erzählung nach wurde eine Statue der Jungfrau Maria am Ufer des Flusses Ploučnice (Polzen) im Jahr 1523 gefunden. Es handelt sich um eine Statue der Jungfrau Maria in Hoffnung, die als Muttergottes gravida in der fachmännischen Terminologie bezeichnet wird. Dieses Mariengnadenbild stellt die schwangere Jungfrau Maria dar. Die Oberpolitzer Gnadenstatue ist eine spätgotische Plastik. Die auffällig gefalteten Hände der Jungfrau Maria und das Jesuskind, das in einer mit Strahlen umgebenen verglasten Hülle zu sehen ist, bleiben nicht ungeachtet. Die Statue wurde später mit Polychromie versehen.

Die überwiegende Barockerscheinung der Wallfahrtsanlage ist auf die stets steigende Beliebtheit des Ortes seitens der Gläubigen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und im Laufe des 18. Jahrhunderts zurückzuführen. Die Barockumgestaltung ist mit dem damaligen Herrschaftsgutseigentümer Julius František Herzog von Sachsen-Lauenburg und mit dem Leitmeritzer Baumeister Giulio Broggio verbunden. Der Wallfahrtsort erlebte seine größte Blütezeit in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dank der Großherzogin Anna Maria Františka von Toskana, und zwar mithilfe ihrer Hofarchitekten Václav Špaček. Beispielweise sind es ihr Monogramm auf der Hauptaltarmensa und ihr Wappenzeichen an der Sessellehne, die an sie erinnern. Die Kirche wurde ständig erweitert und umgestaltet, um dem Sinn für Barockfrömmigkeit nachzukommen und die unaufhaltsam steigende Pilgermenge aufzunehmen. Zusätzlich zu den Bauumgestaltungen kam es in der Barockzeit zu bedeutenden Mobiliaränderungen: erwähnenswert sind zum Beispiel die Tatsachen, dass die Reliquien der heiligen Kristina und des heiligen Paulus dank der Großherzogin in die Kirche übertragen und in verglaste Schränke am Hauptaltar angebracht wurden. Den Oberpolitzer Erzdechanten wurde das Recht damals erteilt, Pontifikalien bei den festlichen Gottesdiensten zu benutzen.

Weitere bemerkbare Umgestaltungen gehen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als Habsburger in der nahe gelegenen Ortschaft Zákupy lebten. Es ist allerdings zu sagen, ihr architektonisches Tun prägte die Gesamtbarockerscheinung der Wallfahrtsanlage glücklicherweise nicht wesentlich.

Marienpolitz, wie die Wallfahrtanlage genannt wird, besteht nicht nur aus der Wallfahrtskirche, sondern auch aus einem einzeln stehenden Glockenturm. Kunstgeschichtlich ist eine Verbindung zwischen dem Glockenturm und dem Schloss in Ploskovice, das sich unweit von Leitmeritz befindet und für ein bedeutendes Baudenkmal gehalten wird, zu finden. Ein Kreuzgang mit Kapellen und einem Kreuzweg und das Erzdechantenhaus gehören auch zur Anlage. An die Südseite des Kreuzgangs ist ein Friedhof angeschlossen.

Die Oberpolitzer Wallfahrtsanlage stellt ein weit reichendes Potenzial für Tourismus dar. Sie kann entweder zum Ziel der Touristen, oder zu einer Station auf ihrem Weg sein. Damit trägt sie zur Entwicklung der Ortschaft bei und kann sie noch weiter fördern. Schon zurzeit gehört der Wallfahrtsort zum Pilgerweg der Region von Česká Lípa (Böhmisch Leipa). Dank ihrer Intaktheit und Unberührtheit, in Bezug auf sowohl ihr Exterieur, als auch ihr Interieur, mit minimalen modernen Umgestaltungen, gilt die Wallfahrtsanlage als außergewöhnliches Baudenkmal mit bedeutsamen Devisen. Daher wurde Marienpolitz ins Indikativverzeichnis der Nationalkulturdenkmäler aufgenommen.

Die Besucher von Marienpolitz fühlen sich in der Regel von einem außerordentlichen Genius Loci des Wallfahrtsortes angesprochen, der in seinem geistlichen Flair und seiner Ruhe besteht. Es handelt sich um eine lebendige Wallfahrtsstätte. Es werden regelmäßige Gottesdienste gefeiert: sonntags, zum Anlass der Wallfahrten und zu den wichtigsten Hochfesten. Zu den Höhepunkten der liturgischen Feste gehört die sogenannte Kirschenwallfahrt, die beliebt ist und jedes Jahr Anfang Juli (Fest Mariä Heimsuchung) stattfindet. Zu dieser Gelegenheit kommen nicht nur deutschsprachige Landsleute und ihre Nachkommen, sondern auch diejenigen, die in fernen Ländern leben und eine innige Beziehung zu Oberpolitz haben.

In der Kirche werden Konzerte der geistlichen Musik veranstaltet. Das Erzdechanat gestaltet die Lange Nacht der Kirchen jedes Jahr mit.

Die geistliche Einmaligkeit der Oberpolitzer Wallfahrtsanlage fasste der namhafte tschechische Kunsthistoriker Ing. Petr Macek, Ph.D. mit den folgenden Worten zusammen: „Ich nehme an, dass es gerade eine Atmosphäre der Beruhigung und eine bestimmte Intimität des Ortes sind, die alle Besucher intensiv ansprechen und ein unwiederholbares, tiefes und geistliches Erlebnis vermitteln. Die Unterbrechung der Tradition von großen Wallfahrten brachte zusätzlich ein unerwartetes Ergebnis mit. Ein bestimmter ‚altmodischer’ Charakter des Ortes blieb erhalten, der eine ungewöhnlich prägende Atmosphäre der inneren Beruhigung zumal in der jetzigen schnellen Zeit bietet. Ich denke, gerade in diesem Sinne ist ein wertvolles und einmaliges Potenzial dieses malerischen Wallfahrtsortes gegenwärtig zu betrachten.“

Die architektonisch und kunsthistorisch prachtvollen Bauwerke, zu denen die Wallfahrtsanlage mit der Kirche Mariä Heimsuchung in Oberpolitz zählt, und positive Taten unserer Vorfahren, die die Gegend verschönern, sind Aspekte, die unsere Wahrnehmung der Umwelt und der Kultur prägen und formen, und die unsere Beziehung zu Orten beeinflussen, an denen wir leben und die wir besuchen.

In der Ortschaft gibt es weitere bedeutende Barockdenkmäler, zu denen das im 17. Jahrhundert erbaute Oberpolitzer Schloss, die Barocksandsteinstatue des heiligen Johannes von Nepomuk und eine große Sandsteingruppenstatue mit der Oberpolitzer Muttergottes und weiteren vier Heiligen gehören. Die Plastiken befinden sich in der Nähe des Flusses Ploučnice, unweit der alten steinernen Gewölbebrücke, die nur Fußgänger zurzeit betreten dürfen, und zwar an der Stelle, wo die Gnadenstatue einer Legende nach gefunden wurde. In der Ortschaft gibt es einige Häuser, die unter Denkmalschutz stehen. In der Nähe der Wallfahrtsanlage wurde ein Denkmal im Angedenken an den bedeutsamen Oberpolitzer Erzdechanten und Spaßmacher Wenzel Hocke (1732–1808) geschaffen, dessen zahlreiche Taten ebenfalls literarisch erfasst wurden.

Horní Police (Oberpolitz) Horní Police (Oberpolitz)

 

Öffnungszeiten:

Areal täglich 9 bis 17 Uhr
Kirche vor und nach Gottesdienste und nach Vereinbarung
Ab 10. Juli 2017 wird das Ort wegen der Renovierung geschlossen.

Eintrittspreise:

frei

Gottesdienste:

Sonntag 15.00 Uhr
1. Samstag im Monat 10.00 Uhr
Alle wichtige kirchliche Feiertage (für Datum und Zeit siehe www.marianskapolice.cz)

Wallfahrten:

Kirschwallfahrt 1. Sonntag im Juli 10.00 Uhr

 

 

Kontakt

Římskokatolická farnost – arciděkanství Horní Police
Křižíkova 49
471 06 Horní Police
E-mail: info@marianskapolice.cz
www.marianskapolice.cz

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