Fachwissen, Hartnäckigkeit und detektivischer Spürsinn verbanden sich 1991 auf das Glücklichste im böhmischen Český Dub/Böhmisch Aicha: Der Leiter des städtischen Museums und seine Mitarbeiter stießen unter einem Mietshaus auf eine längst vergangen Welt. Zunächst nur eine Sonde, zwischen Mauerwerk in die Tiefe geschoben, führt sie in das 13. Jahrhundert zurück. Nachfolgende Ausgrabungen brachten die Bestätigung: Entdeckt war das 1220 gegründete Kloster mit Kommende (Verwaltungseinheit) des altehrwürdigen Johanniterordens. Bislang nur aus Dokumenten bekannt, hatte man nach ihm vielerorts geforscht. Eine archäologische Sensation: Das Kloster ist eine der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Stätten in Nordböhmen.
Dem Besucher offenbart sich unter dem Wohngebäude ein System von Gängen und Räumen spätromanisch-gotischer Bauweise. Erhalten geblieben sind der Eingangssaal des Klosters mit drei Kreuzgewölben und zwei Fenstern, die Kapelle des Hl. Johannes des Täufers, ein Chorraum und ein 80 Meter langer unterirdischer Fluchtgang. Des Aufsehens nicht genug: 2003 folgte ein weiterer sensationeller Fund. In einem Johannitergrab fand man ein Bronzekreuz mit Edelsteinen und einem mit Königskrone gekrönten Christus. In Prag wird es derzeit restauriert. Gestiftet haben das Kloster und die Kommende übrigens die vor wenigen Jahren heilig gesprochene Zdislava von Lämberg/Lemberk, die böhmische Patronin der Armen, Kranken und Familien, und ihr Mann Havel (Gallus). Auch ein Spital, in dem die Heilige Zdislava vermutlich gewirkt hat, ist in Český Dub/Böhmisch Aicha inzwischen nachgewiesen worden und mit seinen Überresten zu besichtigen.
Öffnungszeiten: | ||
April bis September Die letzte Führung beginnt um 14.30 Uhr. | ||
Preise: | ||
Kinder unter 6 Jahren Eintritt frei |