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Klosterstift Broumov (Braunau)

Das Stift Broumov (Braunau) liegt in Nordostböhmen unweit der schlesischen Grenze und gehört zum Bezirk Nachod. Die Kolonisationstätigkeit des Benediktinerklosters Břevnov (Breunau) bei Prag führte zur Besiedlung des Braunauer Landes und zur Gründung der gleichnamigen Stadt um 1255. Ein Jahrzehnt später wurde Braunau erstmals als Marktdorf erwähnt, an dessen Spitze ein königlicher Vogt, stand. 1266 ging Braunau in den Besitz des Klosters über. Aufgrund des natürlichen Terrains auf einer Anhöhe am Ufer eines Baches ist die ursprüngliche Stadtanlage bis heute gut sichtbar. Die Siedler kamen vor allem aus Thüringen. Sie legten die Grundlagen für das weithin bekannte, nach flandrischem Vorbild gefertigte rot gefärbte Braunauer Tuch, das eine begehrte Handelsware wurde und der Stadt zu Reichtum verhalf.

1305 wurde die zunächst hölzerne Burg in eine steinerne Feste umgebaut. 1322 gründen Abt Bawor von Netschetin hier eine Propstei mit der Kirche des Heiligen Adalbert. Aus der Burg entstand eine befestigte Klosteranlage. In die Zeit der Stadtgründung reichen auch die Anfänge der Pfarrkirche St. Peter und Paul. 1348 erteilte Karl IV. der Abtei Břevnov für ihre Untertanenstadt Braunau die gleichen Privilegien, über die auch die königlichen Städte verfügten. 1357 bis 1359 errichtete man die Stadtmauern, von denen die Fundamente sowie die unteren Teile einiger Bastionen erhalten blieben.

Im 14. Jh. war Braunau bedeutendes kulturelles Zentrum, wovon auch die Lateinschule des Klosters zeugt, aus der später ein Gymnasium entstand. In den Hussitenkriegen bildete es eine Bastion der katholischen Partei. Nach der Eroberung Klosters Břevnov suchte dessen Abt in Braunau Zuflucht. Aus dem 15. Jh. stammt die Friedhofskirche der Jungfrau Maria, die älteste erhalten gebliebene Holzkirche in den böhmischen Ländern. Der Gegensatz zwischen den städtischen Freiheiten und der Untertanenstellung der Stadt bot laufend Anlass zu Streitereien zwischen Bürgern und Klosterobrigkeit. Sie mündeten im entschlossenen Auftreten der protestantischen Bürger gegen Abt Wolfgang Selender, der ihren Kirchenbau gewaltsam zu verhindern suchte. Dieser Streit wurde zu einem der Anlässe für den Prager Fenstersturz 1618. Nach der Überwindung der Folgen des Dreißigjährigen Krieges wurden unter den Äbten Thomas Sartorius und Othmar Daniel Zinke in Braunau sämtliche Kirchen erneuert. Nach einem Projekt Kilian Ignaz Dientzenhofer wurde 1728-38 ein vollständiger Umbau des Klosters durchgeführt, an dessen innerer und äußerer Gestaltung sich zahlreiche bedeutende Künstler beteiligten. Das 19. Jh. brachte vor allem eine Entfaltung Textilherstellung, an der die Familie Schroll maßgeblichen Anteil hatte. 1938 erfolgte der Anschluss der Stadt an das Deutsche Reich. Nach Zweiten Weltkrieg kamen anstelle der zur Aussiedlung verurteilten deutschen Benediktiner Angehörige dieses Ordens aus Chicago nach Braunau, die bis 1950, als der Orden in der ČSR verboten wurde, das Kloster leiteten. (Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren. Stuttgart 1998, S. 63 f.)

In der unglücklichen Ära der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sowohl durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung als auch durch die Nutzung des Klosters als Internierungslager für Geistliche in den 50er Jahren gekennzeichnet war, wurde das Klosterareal nicht genügend in Stand gehalten und verkam. Nach der friedlichen Revolution wurde die Anlage dem Mutterkloster Břevnov zurückgegeben. In den letzten Jahren konnten grundlegende Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, in deren Ergebnis die Anlage wieder in altem Glanz erstrahlt. Das Klosterstift Broumov besitzt mit seinen interessanten Räumen, der reichen Bibliothek, der prächtigen Kirche und einer 1999 dort aufgefundenen Kopie des Turiner Grabtuches aus dem 17. Jahrhundert sowie dem instand gesetzten schönen Klostergarten Sehenswürdigkeiten von hohem Rang. Darüber hinaus beitet es Unterkünfte für Touristen, die von hier aus nicht nur das Klosterareal und die Stadt, sondern auch die landschaftlich wunderschöne Umgebung erschließen können.

Klosterstift Broumov Klosterstift Broumov Klosterstift Broumov

 

Öffnungszeiten:

Klostergarten:
März bis September: 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Oktober bis Februar: 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Klosterbesichtigung:
April bis Oktober: 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr
November bis März: 10:00 uhr bis 15:00 Uhr

Kaffeehaus Café Dientzenhofer:
Mai bis September:
Montag bis Samstag: 9:30 Uhr bis 22:00 Uhr
Sonntag: 9:30 Uhr bis 20:00 Uhr
Oktober bis April:
Montag bis Donnerstag: 9:30 Uhr bis 20:00 Uhr
Freitag bis Samstag: 9:30 Uhr bis 22:00 Uhr
Sonntag: 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr

Eintrittspreise:

Klostergarten: kostenlos

Klosterbesichtigung:
Erwachsene 120 CZK
Senior 105 CZK
Kinder bis 6 Jahre 30 CZk
Kinder 6-15 Jahre 85 CZK
Studenten 85 CZK
Familie 280 CZK

Gottesdienste:

In Klosterkirche:
April bis September:
Dienstag und Sonntag um 18:00 Uhr
Oktober bis März:
Dienstag und Sonntag um 17:00 Uhr

Wallfahrten:

Wallfahrten sind organisiert bei Pfarre Broumov.

Zu Besichtigen sind Dauerausstellungen:

  • Kopie des Turiner Grabtuchs
    Im Jahre 1999 wurde in der Abteikirche des hl. Adalbert über der Kapelle zum Heiligen Kreuz hinter dem vergoldeten Stuckkranz mit der Inschrift SANCTA SINDON im hölzernen Kasten eine außerordentliche Kopie des Turiner Grabtuchs aus dem Jahre 1651 gefunden. Bei dem Grabtuch war eine Authentica (Begleitpapier) beigelegt, aus der deutlich ist, dass das Grabtuch im Jahre 1651 der Turiner Erzbischof Julius Caesar Bergiria dem Abt von St.-Nikolaus-Kirche in der Altstadt Prags, dem späteren Prager Bischof Matthäus Ferdinand Sobek von Bilenberg, schenkte. Dieser hat es bei seinen Lebzeiten dem Braunauer Kloster geschenkt. Im Dokument steht es, dass die Kopie bei dem festlichen Ritus mit dem Original angerührt und nennt berühmte Teilnehmer an der Zeremonie. Ebenfalls trägt sie die Namen der Personen, die das Grabtuch dem M. F. Sobek aus Italien nach Tschechien zustellten. Die Braunauer Kopie ist fast maßgenau mit dem Original und ist mit vier Tönen brauner Farbe gemalt. Auf dem Grabtuch ist auf interessante Weise eine Figur mit der Größe von 170 bis 180 cm aus der vorderen und hinteren Seite zu sehen. In der Mitte ist eine Aufschrift EXTRACTVM AB ORIGINALI (aus dem Original herausgezogen) gemalt. In der Welt befinden sich circa vierzig ähnliche historische Kopien, die Braunauer ist jedoch die einzige in der Mitteleuropa (nördlich der Alpen) und gehört genauso zu den am gelungensten. Die Braunauer Kopie des Turiner Grabtuchs kann man sich im Rahmen der Klosterbesichtigung ansehen.
  • Wamberger Mumien
    In den umfangreichen Kellern des Braunauer Klosters sind insgesamt 34 Mumien gebettet, die aus der Gruft der Pfarrkirche St. Prokop in Wamberg stammen. In der Hälfte der 80. Jahre führten in der unmittelbaren Nähe der Kirche St. Prokop in Wamberg Ausschachtungsarbeiten durch, bei denen zum Kanalisationsbruch kam, was den Fluss von Abwässer in die Gruft zur Folge hatte. In Bezug auf die Änderungen von Klimabedingungen (vor allem der erhöhten Feuchtigkeit) fing eine Reihe von Mumien zu verderben, deshalb war es notwendig sie umzuziehen. In das Braunauer Kloster wurden sie im Jahre 2000 übergeführt. Die ältesten Mumien stammen aus dem 17. Jahrhundert, das Gros jedoch aus dem 18. Jahrhundert. Es handelt sich vor allem um Mumien der Wamberger Stadtbürger, Priester, Orgelspieler und weiterer bedeutenden Persönlichkeiten. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die in die Gruft begraben wurde, ist die Gründerin des Wamberger Spitzenklöppeln Magdalena Grambová. Unter Erwachsenen liegen ebenfalls zwei Mumien der Kinder.
  • Das Braunau Museum mit Ausstellung über die Geschichte von Braunau in dem Klosterkomplex.

 

 

Kontakt

vkcv@broumovsko.cz Klosterbesichtigung: prohlidky@broumovsko.cz
Unterkunft: dumhostu@klasterbroumov.cz

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