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Kurze Geschichte der Oberlausitz

Die Oberlausitz ist ein anziehendes Land. Eingezwängt zwischen den Höhen des Lausitzer Berglandes im Süden sowie den sumpfigen Auen des Schraden,den Heidelandschaften und Kiefernwäldern im Norden und im Schatten mächtiger Nachbarn konnte sie ihre kulturelle Eigenart durch die Jahrhunderte bewahren. So wird man in weiten Teilen des Landes von zweisprachigen Ortsschildern begrüßt. Es handelt sich um die sorbischen Ortsnamen. Heute zählt das sorbische Volk, das eng mit den Tschechen verwandt ist, noch ca. 40.000 Angehörige, die größtenteils im Städtedreieck zwischen Kamenz, Hoyerswerda und Bautzen leben. Es handelt sich um eine von vier Minderheiten in Deutschland.

Karte Scultetus - Archiv Dannenberg

Karte Scultetus - Archiv Dannenberg

Ihre Vorfahren siedelten seit Jahrhunderten auf den fruchtbaren Lößböden des Bautzner Gefildes. Während die Historiker von einer slawischen Einwanderung in die von den Germanen im Zuge der Völkerwanderung weitgehend verlassenen Siedelräume um 600 ausgehen, sprechen die archäologischen Funde für eine deutlich spätere Besiedlung. Erst 200-300 Jahre danach wären demnach die Vorfahren der Sorben ins Land gekommen, so dass sich Slawen und Germanen kaum noch begegnet sein dürften. Neben ihre Dörfer legten sie Burgen, sogenannte Schanzen an, in die sie sich im Falle der Gefahr zurückziehen konnten. Noch heute erheben sich diese imposanten Anlagen bei Ostro, Loga oder Schöps.

Diese Entwicklung einer eigenständigen Herrschaftsordnung brach ab, als sich die Deutschen zu Beginn des 10. Jahrhunderts ostwärts wandten. Nachdem König Heinrich I. die Slawengaue der Elbslawen erobert hatte und hoch über der Elbe in Meißen eine Burg errichtete, forderte er wenig später auch von den Milzenern um Bautzen Tribut.

Zu den Pflichten eines christlichen Herrschers gehörte aber auch die Missionierung heidnischer Völker. 968 werden nach langwierigen Verhandlungen die drei sogenannten Sorbenbistümer Merseburg, Zeitz und Meißen unter dem Erzbistum Magdeburg eingerichtet. Für die geistliche Versorgung des Landes Milzane ist der Meißner Bischof zuständig, der sich dafür den zehnten Teil der an den König zu entrichtenden Abgaben behalten darf. Aber auch bei den polnischen und böhmischen Nachbarn weckte das Land Begehrlichkeiten. 1002 hatte Heinrich II. den Expansionsdrang des polnischen Herzogs, Boleslaw I. Chobry, befriedigen müssen und ihn mit dem Gau Milska belehnt. Nach einem missglückten Feldzug anno 1004 änderte König Heinrich II. seine Strategie und übereignete 1007 die Burgwarde Ostrusna, Trebista und Göda an den Bischof von Meißen. Von dieser Schenkung erhoffte er sich eine stärkere Anbindung der Region an das Reich. Daraufhin überfiel Herzog Miesko I. die Burg Meißen, zerstörte sie und tötete ihre gesamte Besatzung. Erst der Friede von Bautzen 1018 brachte eine gewisse Entspannung in die zum Teil von verheerenden Raubzügen begleiteten Auseinandersetzungen. Milska und die (Nieder-)Lausitz verblieben dennoch bei dem Polen. Erst König Konrad II. konnte 1031 nach dem Sieg über Herzog Miesko II. das Land zurückgewinnen und übergab es als Lehen an den Markgrafen von Meißen. 1076 verlehnte er das Land an den böhmischen Herzog Vratislaw II., nachdem er es dem Meißner Markgrafen wieder entzogen hatte, als dieser sich gegen ihn auflehnte. Vratislaw gab das Land 1084 als Hochzeitsausstattung seinem Schwiegersohn, dem sächsischen Grafen Wiprecht von Groitzsch, der bis 1108 von der Bautzner Ortenburg aus das Land regierte und den Landesausbau nach Kräften förderte. In Wiprechts Erbe traten dann westlich der Elbe die Wettiner ein, während die Oberlausitz 1135 an Böhmen zurückfiel. 1143 kam diese nochmals an die Markgrafen von Meißen, ehe Kaiser Friedrich Barbarossa sie 1153 im Zuge seiner Annäherungspolitik an Böhmen als Reichslehen erneut an den böhmischen König überreichte. Mit Ausnahme des relativ kurzen Zeitraums zwischen 1254 und 1319 sollte das Land nun bis zum Untergang des alten Reiches 1806 dauerhaft bei der Krone Böhmens bleiben.

Mit den Burgen und Kirchen, die das Land nun systematisch überzogen, kamen die Kaufleute. Entlang der via regia, an Flussübergängen, Berganstiegen und ähnlichen Hindernissen errichteten sie ihre Stützpunkte, die oftmals zu Keimzellen späterer Städte wurden, wie in Bautzen in der Seidau am Flussübergang über die Spree, oder in Görlitz in der Lunitzniederung unweit des schon zu 1071 genannten slawischen Dorfes Gorelic. Die Hohe Straße war die Lebensader der Oberlausitz. Auf ihr zogen die Kaufleute und Händler seit Jahrhunderten von West nach Ost und transportierten ihre Waren von Spanien und Frankreich über Breslau bis in die Kiewer Rus und nach Russland.

Die Konturen des Landes lassen sich allmählich schärfer erkennen. Eine Urkunde zum Jahr 1144 erwähnt die südöstlich von Görlitz, um Seidenberg gelegene provincia Zagost, die Teil des Landes Bautzen sei, so dass man annehmen darf, dass die spätere Oberlausitz schon damals bis an den Queis heranreichte. Tiefere Einblicke in die territorialen Verhältnisse gewährt die sogenannte Oberlausitzer Grenzurkunde von 1241, in der die jeweiligen Interessengebiete zwischen dem König von Böhmen und dem Bischof von Meißen abgesteckt werden. Zu beider Auseinandersetzung war es gekommen, weil jeder Fürst mit seinen ihm eigenen Mitteln den Landesausbau betrieb. Bischof Bruno II. beispielsweise errichtete 1213 ein Kollegiatkapitel in Bautzen, mit dessen Hilfe er Richtung Südwesten auf Stolpen vorstieß. Ortsnamen wie Bischheim oder sogar die Stadtgründung Bischofswerda weisen auffällig auf seine kolonisatorischen Aktivitäten hin. „Herrschaft durch Rodung“ war das Schlagwort der Zeit. Unter Führung eines Adligen waren Bauern aus Thüringen, Bayern, (Nieder-)Sachsen gekommen und hatten das Land gerodet. Und auch die sorbischen Bauern waren an der Umgestaltung des Landes beteiligt. Am Ende dieser Epoche war das Land aufgeteilt, überall waren Dörfer mit der typischen Waldhufenflur angelegt. Auch die meisten Städte, ebenso wie die beiden Klöster Marienthal und Marienstern verdanken ihre Entstehung diesem gewaltigen Aufbruch. Lediglich auf den kargen Sandböden im Norden der späteren Herrschaften Hoyerswerda und Muskau hatte man den Waldgürtel belassen, der sich gleichsam als natürlicher Grenzsaum zur Niederlausitz entlang streckte. Mit Verlegung der linearen Grenze auf die Pulsnitz im Westen und auf den Queis im Osten sowie die ein natürliches Hindernis darstellenden Höhen des Lausitzer Berglandes im Süden war die territoriale Entwicklung abgeschlossen.

Als das Land 1253 als Mitgift einer böhmischen Königstochter an die brandenburgischen Askanier fiel, blieb das Zittauer Ländchen bei Böhmen, da der König das für ihn wichtige, hart umkämpfte Einfallstor nach Norden keineswegs wieder hergeben wollte. Die Askanier nahmen für das übrige Land eine wichtige Neuerung vor: sie installierten an seiner Spitze einen Landvogt, der ihre Interessen vor Ort wahrnehmen sollte. Er war der oberste Richter, regelte auch die Lehensangelegenheiten und war zugleich der militärische Befehlshaber. Später wurden ihm noch zwei Landeshauptmänner zur Seite gestellt, die nach der Teilung der Oberlausitz 1268 in einen Kreis Bautzen und einen Kreis Görlitz jeweils als Kreishauptleute fungierten. Während das Land Bautzen aber bereits 1319 nach Aussterben der Askanier wieder an Böhmen fiel, erhob auf den Görlitzer Kreis der schlesische Herzog Heinrich von Jauer Ansprüche, dem es tatsächlich gelang, das Land bis zu seinem Tod 1329 zu behaupten. Danach wurde auch Görlitz wieder böhmisches Lehen. Noch einmal, von 1377 bis 1396, kam der Görlitzer Kreis in den Genuss einer eigenen Herrschaft, als Kaiser Karl IV. für seinen Sohn Johann das Sekundogenitur-Herzogtum Görlitz einrichtete.

Meistens aber weilte der Landesherr nicht im Lande, wodurch er nicht in der Lage war, wirksamen Schutz vor Wegelagerern, Raubrittern und Schutzgelderpressern zu gewährleisten. Also schlossen sich 1346 mit Wissen und Willen des böhmischen Königs die wirtschaftlich führenden Kräfte, die Städte, zu einem Verteidigungsbündnis zusammen und versprachen sich gegenseitigen Schutz und Beistand. Neben Görlitz, Bautzen, Löbau, Lauban und Kamenz schloss sich auch das 1253 noch bei Böhmen verbliebene Zittau diesem Bündnis an. Das war der Anfang des berühmten ‚Oberlausitzer Sechsstädtebundes‘. Die Städte gaben dem Land eine innere Ordnung, befriedeten es, verjagten die Raubritter und schleiften ihre Burgen. Zu den gemeinsamen Beratungen, den sogenannten Städtetagen, zogen sie auch den Landvogt, als Vertreter des Markgrafen der Oberlausitz, sowie gelegentlich andere Standesherren und Rittergutsbesitzer hinzu, so dass sich aus dieser Institution eine Art oberlausitzischer Landtag herausbildete.

Weitaus tragischer für die Oberlausitzer Bevölkerung waren die verheerenden Hussitenzüge Anfang des 15. Jahrhunderts, denen nacheinaner Kamenz, Löbau, Zittau und Lauban zum Opfer fielen. Lediglich die gut befestigten Städte Bautzen und Görlitz hielten der Belagerung der Ketzer stand. Hus’ Lehre hatte in der Oberlausitz keine merklichen Spuren hinterlassen, obwohl man von kirchlicher Seite gerade bei der sorbischen Bevölkerung aufgrund ihrer ethnischen und sprachlichen Verwandtschaft zu den Tschechen eine leichte Einflussnahme befürchtete. Aber die Oberlausitz war religiös gefestigt, selbst den utraquistischen böhmischen König Georg von Podiebrad hatte man rund 20 Jahre später nicht haben wollen und stattdessen noch zu seinen Lebzeiten 1469 den ungarischen König Matthias Corvinus zum Landesherrn gewählt.

Den Thesen Luthers konnte man sich indessen nicht so einfach verschließen. Schon 1520 predigte man in Görlitz auf neue Weise. Die eigenartige Verfassungssituation der Oberlausitz, die sich aus Städten, Grundadel und kirchlichen Stiftern zusammensetzte, bewirkte, dass sich der später gefundene Grundsatz „cuius regio, eius religio“ hier auf der untersten Ebene, auf der Ebene des Kirchenpatrons abspielte. Dieser bestimmte in welcherlei Gestalt das Abendmahl gereicht werden sollte. Bereits 1523 führte Görlitz offiziell das neue Bekenntnis ein. Ein Jahr später folgte Bautzen, nach und nach dann die gesamte Oberlausitz – lediglich die Klosterherrschaften Marienthal und Marienstern sowie das Bautzner Kollegiatstift blieben katholisch. Im Schmalkaldischen Krieg musste die Oberlausitz schließlich Farbe bekennen, und an der Seite des katholischen Kaisers und böhmischen Königs Ferdinand gegen ihre Glaubensbrüder in den Krieg ziehen. Die Sechs-Städte glaubten sich geschickt aus der Affäre ziehen zu können, als sie ihre Truppen 1547 nach dem Ende des bewilligten Aufgebotszeitraumes wieder abzogen. Allerdings war da die entscheidende Schlacht von Mühlberg noch nicht geschlagen worden. Der Adel nutzte die Gunst der Stunde, um die Städte beim Kaiser zu denunzieren, der daraufhin ihre Vertreter vorlud und ihnen in der Tat sämtliche Privilegien entzog und ihre Ländereien requirierte. Dieses als „Pönfall“ bekannt gewordene Ereignis war für die Städte ein herber Verlust, denn sie hatten sich im Laufe der Zeit umfangreichen Grundbesitz angehäuft. Görlitz etwa verfügte über ein riesiges Weichbild, war Grundherr über 48 Dörfer, in denen der städtische Rat auch der Gerichtsherr war. Bautzen stand dem mit 47 Dörfern nur wenig nach, und auch die anderen Sechs-Städte hatten sich ansehnlichen Grundbesitz zugelegt. In den folgenden Jahren konzentrierten sich alle Bemühungen der Städte auf einen Wiedererwerb ihrer Besitzungen und Vorrechte, was ihnen zum großen Teil auch gelang. Aber den politischen Einfluss wie vordem hatten sie ein für alle Mal verloren.

Religiöse Spannungen, vor allem aber auch die ständigen neuen Steuerforderungen des böhmischen Königs blieben ein Unruheherd. Den Protestanten in der Oberlausitz war es nicht gelungen, wie ihre schlesischen und böhmischen Glaubensbrüder einen Majestätsbrief zu erlangen, der ihre Recht verbriefte, was sie letztlich an die Seite der Aufständischen in Böhmen trieb. Die durch den Fenstersturz zu Prag 1618 ausgelöste Revolte, sollte sich schnell zum flächengrößten Krieg ausbreiten, den Europa bis dahin gesehen hatte. Auch die ansonsten eher abseits der politischen Weltbühne stehende Oberlausitz wurde tief in die Wirren hineingezogen. Die böhmischen Stände hatten den katholischen Habsburger Ferdinand II. abgesetzt und stattdessen den Calvinisten Friedrich von der Pfalz zu ihrem König gewählt. Auch die Oberlausitzer schlossen sich nach einigem Zögern dieser Wahl an. Kaiser Ferdinand bat um Unterstützung bei den Reichsfürsten. Der sächsische Kurfürst Georg, obwohl Protestant, war ein treuer Reichsfürst und hatte kein Verständnis für die Forderungen der Aufständischen. Im August 1620 marschierte er in die Oberlausitz ein – nicht ohne sich vorher das Land als Pfand verschreiben zu lassen. Sein erstes Ziel war Kamenz, das sich ohne große Gegenwehr ergab. Einen reichlichen Monat später fiel Bautzen nach einer täglichen Salve von 366 Granatgeschossen in die Stadt, was am 2. Oktober zu einem verheerenden Brand führte, bei dem die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde. Als sich diese Nachricht verbreitete, ergab sich auch Löbau ohne größeren Schusswechsel. Da nun der Kaiser tatsächlich die kurfürstlichen Aufwendungen nicht ersetzen konnte, gelangte die Oberlausitz im Prager Frieden 1635 als böhmisches Lehen an den Kurfürsten von Sachsen, der dadurch auch zum Markgrafen der Oberlausitz wurde. So konnte die Gegenreformation, die in den anderen habsburgischen Ländern heftig wütete, in der Oberlausitz abgewendet werden. Stattdessen zog es viele Glaubensflüchtlinge aus Böhmen, die sogenannten Exulanten, in die Oberlausitz, die hier für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgten. Insbesondere in den Dörfern des Zittauer Berglandes wurde die Leineweberei zum beherrschenden Industriezweig.

Ansonsten änderte sich in der Oberlausitz nicht allzu viel. Nur ganz behutsam wurde eine Integration in das sächsische Staatswesen vorgenommen. Sogar freireligiösen Glaubensgemeinschaften, wie der Herrnhuter Brüdergemeine, der Graf Zinzendorf auf seinen Gütern Domizil bot, ermöglichte das Oberlausitzer Verfassungssystem ihr Dasein. Von Berthelsdorf und Niesky aus zogen die Brüder in die Welt, um nach ihrer Weise das Wort Gottes zu verkünden. Erst die nach den Napoleonischen Kriegen notwendig gewordene gewaltige Neuordnung Europas brachte mit dem Wiener Vertrag von 1815 gravierende Veränderungen für das Markgraftum. Um den preußischen Landhunger zu stillen, wurde die Oberlausitz trotz mehrfacher Petitionen an den Sächsischen König sowie den österreichischen Grafen Metternich, der die Verhandlungen leitete, geteilt. Aber es half alles nichts – fortan verlief eine Grenze südlich von Ruhland im Nordwesten über Wittichenau, Hoyerswerda, Muskau, Görlitz bis nach Lauban – Orte, die allesamt an Preußen fielen. Zur effektiveren Verwaltung teilte Preußen seinen kleinen Landstrich in vier Kreise, die alle in die preußische Provinz Schlesien eingegliedert worden. Fortan war Breslau der zuständige Ansprechpartner. In der preußischen Oberlausitz profitierte vor allem Görlitz vom industriellen Aufschwung und baute seine Beziehungen nach Berlin und Breslau beständig aus.

Im südlichen, bei Sachsen verbliebenen Teil setzte nun eine Industrialisierung ein, die Leinwand aus der Oberlausitz zum begehrten Exportschlager Deutschlands werden ließ. Der Eisenbahnbau trug merklich zur Aufwertung der Region bei. 1847 war die Strecke Dresden-Breslau, die quer durch Oberlausitzer Terrain verlief, fertig.

Aber die Einheit des Landes blieb im Bewusstsein der Bewohner. Eindrucksvoll belegen dies der Bau des Görlitzer Ständehauses, indem weiterhin die Stände der preußischen Oberlausitz zusammenkamen, um die Interessen des Landes in der schlesischen Kammer zu vertreten, oder das Spruchband über dem Eingangsportal der 1905 eröffneten einstigen Oberlausitzer Ruhmeshalle, dem heutigen Dom Kultury auf dem Ostufer der Neiße, auf dem es heißt: „Den Gründern des Deutschen Reiches – die dankbare Oberlausitz“.

Nach der Machtergreifung durch das Hitlerregime wurden auch diese Strukturen wieder aufgelöst und der nationalsozialistischen Gaueinteilung angepasst. Besonders zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde eine intensive Assimilierungspolitik gegenüber den Sorben betrieben. Ihre Vereine und ihre Presse wurden verboten, Unterricht in sorbisch nicht mehr erteilt, ja sie sollten ihre Sprache überhaupt nicht mehr sprechen dürfen. Leute, die sich gegen diese Repressalien auflehnten, wie sorbische katholische Priester, wurden ausgewiesen oder kamen ins Konzentrationslager. Dennoch wurde kein vollständiger Genozid an den Sorben probiert, sondern man wollte sie als „wendische Deutsche“ assimilieren.

Nach 1945 kamen die östlich der Neiße bis zum Queis gelegenen Gebiete der Oberlausitz unter polnische Verwaltung, was schließlich mit dem Oder-Neiße-Friedensvertrag 1950 bzw. dem deutsch-polnischen Grenzvertrag 1990 staatsrechtlich sanktioniert wurde. Mit Auflösung der Länder in der DDR ereilte 1952 die Oberlausitz ein weiteres Mal das Schicksal von Teilungen: zwar blieb der größte Teil beim Bezirk Dresden, aber die Kreise Hoyerswerda und Weißwasser wurden dem Bezirk Cottbus zugeschlagen. Nach 1990 bestand die Chance, den größten Teil der Oberlausitz wieder in einem Bundesland zu vereinen, was letztlich auch gelang. Die aus historischer Sicht zwar nur kurze Zeitspanne einer 100 Jahre andauernden Verbindung eines Teils der Oberlausitz mit Preußen sowie zwei Diktaturen hatten allerdings vor allem im Görlitzer Raum die oberlausitzische Identität verschüttet, und so wurde mit Rücksicht auf schlesische Befindlichkeiten – immerhin hatten zahlreiche Flüchtlinge aus Schlesien in Görlitz ein neues Zuhause gefunden, um in Reichweite ihrer schlesischen Heimat zu sein – für die an der Neiße gelegene Region ein Niederschlesischer Oberlausitzkreis konstruiert. Der intensiven schlesischen Lobbyarbeit ist es zu verdanken, dass heute in der Präambel zur Sächsischen Verfassung ein Passus enthalten ist, wonach das sächsische Volk auch an die Geschichte eines niederschlesischen Gebietes anknüpft – wogegen das Jahrhunderte lang eigenständige Reichsterritorium Oberlausitz, das seit 1635 mit Sachsen eng verbunden ist, keine Erwähnung findet.

Dr. Lars-Arne Dannenberg

 


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