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Oberlausitzer Koch-Traditionen wieder aufleben

André Meyer serviert Lausitzer Fisch

Interview mit André Meyer

Bio-Berggasthof Beckenbergbaude

André Meyer serviert Lausitzer Fisch ©

„Oberlausitzer Koch-Traditionen wieder aufleben zu lassen, das ist mir eine Herzensangelegenheit“

Auf dem malerischen Beckenberg bei Eibau wird Kulinarik neu gedacht. André Meyer, Chefkoch und Inhaber des Bio-Berggasthofs Beckenbergbaude, verbindet traditionelle Rezepte der Oberlausitz mit modernen Ideen. Dabei spielen regionale Zutaten, biologisch erzeugte Lebensmittel und handwerkliches Kochen eine zentrale Rolle. Im Interview erzählt er, wie aus einfachen Zutaten besondere Geschmackserlebnisse entstehen und warum ihm die kulinarische Identität der Oberlausitz so am Herzen liegt.

Herr Meyer, was hat Ihre Leidenschaft fürs Essen geweckt?
Meine Leidenschaft fürs Essen begann schon in meiner Kindheit. Meine Mutter erzählt immer, dass ich mit drei Jahren anfing, auf einem kleinen Spielherd zu kochen – mit Wasser und einem Brühwürfel als Zutaten. Später durfte ich im Zittauer Gebirge eine Ausbildung zum Koch machen. Dort habe ich gelernt, dass in eine gute Suppe statt eines Brühwürfels Knochen und Röstgemüse gehören. Seitdem begleitet mich die Begeisterung für gutes Kochen.

Wie sah Ihr beruflicher Weg bis zur Beckenbergbaude aus?
Nach meiner Ausbildung arbeitete ich zunächst in meinem Ausbildungsbetrieb und wechselte später in weitere gastronomische Einrichtungen. Dem Zittauer Gebirge bin ich dabei immer treu geblieben. Parallel absolvierte ich meine Ausbilderschulung, denn mir war es wichtig, Wissen weiterzugeben. Als ich hörte, dass für die Beckenbergbaude ein Pächter gesucht wurde, bewarb ich mich – mit 21 Jahren und mit Unterstützung meiner Eltern. So konnte ich meinen Traum verwirklichen. Heute bin ich seit vielen Jahren hier tätig.

Was bedeutet Essen und Genuss für Sie persönlich?
Essen ist für mich Leidenschaft – beim Kochen genauso wie beim Genießen. Ich schätze Gerichte, bei denen die Zutaten ihren eigenen Geschmack entfalten können. Das schönste Kompliment ist für mich, wenn Gäste sagen: „Das hat prima geschmeckt!“ Dieses unmittelbare Feedback macht den Beruf so besonders.

Was macht die Oberlausitz für Sie als kulinarische Region besonders?
Die Oberlausitz ist kulinarisch unglaublich vielfältig. Im Zittauer Raum finden sich böhmische Einflüsse, in Görlitz schlesische und rund um Bautzen sorbische. Besonders faszinieren mich alte Rezepte wie Präglsaalz oder Stupperle, die vielerorts fast in Vergessenheit geraten sind. Diese Oberlausitzer Koch-Traditionen wieder aufleben zu lassen, ist mir eine Herzensangelegenheit.

Gibt es ein typisches Gericht oder ein regionales Produkt, das Sie besonders mit der Oberlausitz verbinden?
Wenn ich eines nennen müsste, dann wäre es die Teichelmauke. Sie zeigt wunderbar, wie aus einfachen Zutaten ein besonderes Gericht entstehen kann. Viele traditionelle Rezepte sind heute kaum noch bekannt. Dank alter Aufzeichnungen meiner Oma konnte ich einige davon wiederentdecken. Für mich sind sie ein echter Schatz der Oberlausitzer Küche.

Wie schaffen Sie es, Traditionelles in Ihre moderne Küche zu integrieren?
Ich interpretiere traditionelle Gerichte gern neu. Stupperle serviere ich beispielsweise im Sommer mit Ratatouille-Gemüse und etwas Hartkäse – ähnlich wie Gnocchi in der italienischen Küche. So entstehen zeitgemäße Gerichte, die ihre Wurzeln behalten und gleichzeitig neue Geschmackserlebnisse bieten.

Was inspiriert Sie, neue Gerichte zu kreieren?
Inspiration finde ich überall – in Kochbüchern, auf Reisen oder einfach im Alltag. Manchmal entsteht eine Idee ganz spontan. Es ist immer spannend zu erleben, wie unsere Gäste darauf reagieren. Manche Gerichte werden schnell zu Lieblingsgerichten, andere bleiben spannende Experimente.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsgericht?
Pellkartoffeln mit Quark – einfach, aber für mich echtes Soulfood. Ob mit Leinöl oder einer guten Leberwurst: Dieses Gericht gibt mir Energie und hilft mir abzuschalten. Einmal pro Woche gehört es einfach dazu.

Welche Rolle spielen regionale Zutaten und biologische Lebensmittel in Ihrer Küche?
Eine sehr große. Mir ist wichtig zu wissen, woher unsere Zutaten kommen und wie sie erzeugt wurden. Wir möchten die Vielfalt unserer Region sichtbar machen – zum Beispiel mit Lausitzer Fisch oder traditionellen Produkten aus der Oberlausitz. Seit 2023 arbeiten wir ausschließlich mit Bio-Produkten. Für mich gehört außerdem ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren ebenso zu einer guten Küche wie hochwertige Zutaten und handwerkliche Zubereitung.

Die Idee, die Beckenbergbaude zu einem Bio-Berggasthof zu entwickeln – war das von Anfang an Ihr Ziel oder hat sich das entwickelt?
Als ich 2001 angefangen habe, spielte das Thema Bio für mich noch keine zentrale Rolle. Mir war aber schon damals wichtig, bewusst mit Lebensmitteln umzugehen und beispielsweise keinen überfischten Fisch anzubieten. 2013 haben wir uns bio-zertifizieren lassen und zunächst mit einer Mischung aus konventionellen und Bio-Produkten gearbeitet. Schritt für Schritt haben wir den Bio-Anteil erhöht – auch, weil unsere Gäste diesen Weg positiv begleitet haben. Seit 2023 verwenden wir ausschließlich Bio-Produkte. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, doch viele Gäste schätzen diesen Weg und unterstützen unsere Philosophie.

Was wünschen Sie sich für die kulinarische Zukunft der Oberlausitz?
Ich wünsche mir, dass die Menschen in der Oberlausitz den Wert unserer Region noch stärker nach außen tragen. Es gibt so vieles, worauf wir stolz sein können – kulinarisch, kulturell und landschaftlich. Mein Wunsch ist, dass wir diese Vielfalt selbstbewusst zeigen und weiterentwickeln. Kritik gehört dazu, aber ebenso wichtig ist es, die vielen positiven Seiten unserer Region sichtbar zu machen.

Hier geht's zum Bio-Berggasthof Beckenbergbaude

Karpfenchips kinderleicht - André Meyer & Sohn Niels zeigen wie es geht

Zutaten

Karpfenfilet, grätengeschnitten
Mehl
Backpulver
1 Prise Salz
Currypulver, Rotebeetesaft oder Kräuter zum Färben
Ei, Wein, Bier oder einfach Wasser
Öl zum Frittieren