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Bodenständig, regional, aber auch offen für Neues.

Sonnebergbaude Waltersdorf

Interview mit Alexander Fichte von der Sonnebergbaude Waltersdorf

Sonnebergbaude Waltersdorf

Sonnebergbaude Waltersdorf ©

„Die regionale Küche wird wieder mehr nachgefragt“

Die Sonnebergbaude in Waltersdorf liegt mitten im Zittauer Gebirge, nur wenige Schritte von den Wanderwegen rund um die Lausche entfernt. Seit Jahrhunderten ist das traditionsreiche Haus ein Ort für Reisende, Wanderer und Erholungssuchende. Heute führt Alexander Fichte den Familienbetrieb in zweiter Generation weiter. Im Interview erzählt er, warum ihn die Heimat zurück in die Oberlausitz gezogen hat, weshalb regionale Küche wieder an Bedeutung gewinnt und wie sich Oberlausitzer, böhmische und polnische Einflüsse auf seiner Speisekarte verbinden.


Herr Fichte, die Sonnebergbaude hat eine lange Geschichte. Wie sind Sie selbst in den Familienbetrieb hineingewachsen?
Die Sonnebergbaude ist ein elterlicher Betrieb. Meine Mutter und ihr Mann haben das Haus schon vor der Wende geführt und dann die turbulente Zeit nach der Wiedervereinigung mit allen Herausforderungen gemeistert. Es wurde viel umgebaut und renoviert, damit sich das Haus weiterentwickeln konnte. Ich selbst bin dann Anfang der 2010er Jahre zurück in die Region gekommen, und 2013 haben wir die Sonnebergbaude übernommen.

 

War für Sie schon früh klar, dass Sie den Betrieb einmal weiterführen würden?
Nicht unbedingt. Als junger Mensch hat man viele Ideen und Pläne, die sich ständig verändern. Aber irgendwann wurde der Wunsch stärker, wieder hier in der Region zu leben und sich hier etwas aufzubauen. Das Heimatgefühl und die Familie haben dabei eine große Rolle gespielt. Als unsere eigene Familie wuchs und wir schon drei Kinder hatten, wurde der Wunsch nach Verwurzelung noch stärker.

Was bedeutet die Sonnebergbaude heute für Sie?
Sie ist für mich ein Wohlfühlort und gleichzeitig ein Stück regionaler Geschichte. Die Sonnebergbaude gibt es seit rund 360 Jahren an diesem Standort. Schon allein durch ihre Architektur passt sie perfekt in die Oberlausitz und spiegelt die typische Umgebindelandschaft wider. Für Einheimische ist das sofort mit Heimatverbundenheit verbunden, und für Gäste von außerhalb hat diese Bauweise etwas Besonderes und Wiedererkennbares. Dazu kommen die Natur, die ländliche Struktur und die direkte Nähe zum Naturpark – das macht diesen Ort aus.

Die Lausche liegt praktisch direkt vor Ihrer Haustür. Wie wichtig ist Ihnen die Natur rund um die Sonnebergbaude?
Sehr wichtig. Wir sind ein Wanderhotel und viele Gäste kommen genau deshalb zu uns. Die Wanderwege beginnen direkt vor der Tür, und inzwischen sind auch viele Gäste mit dem Fahrrad unterwegs. Ich selbst bin ebenfalls oft draußen unterwegs, begleite manchmal Gäste oder Firmengruppen bei Aktivitäten in der Natur und bin regelmäßig auf der Lausche unterwegs. Diese Umgebung gehört einfach zur Sonnebergbaude dazu.

Welche Rolle spielt die Kulinarik in Ihrem Haus?
Eine große. Viele Gäste möchten heute nicht nur gut übernachten, sondern auch regional genießen. Deshalb setzen wir bewusst auf eine Küche, die die Oberlausitz widerspiegelt. Gleichzeitig sehen wir uns als Grenzregion. Für mich endet Kulinarik nicht an der Landesgrenze. Deshalb finden sich bei uns neben typischen Oberlausitzer Gerichten auch böhmische und polnische Einflüsse auf der Speisekarte.

Wie zeigt sich das konkret?
Wir haben klassische Oberlausitzer Gerichte wie Stupperle, Teichelmauke oder Wildgulasch von regionalen Jägern auf der Karte. Gleichzeitig arbeiten wir auch mit Partnern aus der Region und darüber hinaus zusammen. Wir beziehen zum Beispiel hervorragende böhmische Knödel oder Piroggen von Produzenten, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten. Dadurch entsteht eine Küche, die regional verwurzelt ist und trotzdem die kulturelle Vielfalt der Grenzregion zeigt.

Sie beobachten seit Jahren die Entwicklung in der Gastronomie. Hat sich der Blick auf regionale Küche verändert?
Definitiv. Ich habe das Gefühl, dass regionale Küche heute wieder stärker nachgefragt wird als noch vor zehn Jahren. Es gab eine Zeit, in der vieles möglichst exotisch oder extravagant sein musste. Heute wünschen sich viele Gäste wieder Gerichte, die etwas mit der Region zu tun haben. Deshalb haben wir unsere regionalen Speisen auf der Karte sogar als „Heimatessen“ hervorgehoben. Selbst klassische Gerichte wie hausgemachte Sülze mit Bratkartoffeln werden sehr gut angenommen.

Wie würden Sie jemandem die Oberlausitzer Küche beschreiben, der sie noch nie probiert hat?
Es ist eher eine bodenständige und ehrliche Küche. Oft spielen Kraut, Sauerkraut oder deftige Komponenten eine Rolle. Viele Gerichte sind einfach, aber sehr geschmackvoll. Es ist eine Küche, die satt macht und stark mit Tradition verbunden ist.

Haben Sie selbst ein Lieblingsgericht aus der Oberlausitz?
Ich bin eher der Fleischliebhaber. Gulasch mit böhmischen Knödeln oder mit Stupperle gehört definitiv zu meinen Favoriten.

Heute erwarten Gäste aber oft auch vegetarische oder vegane Angebote. Wie gehen Sie damit um?
Darauf stellen wir uns aktiv ein. Wir kennzeichnen vegetarische und vegane Gerichte auf der Karte deutlich und bieten verschiedene Alternativen an. Außerdem ermutigen wir unsere Gäste, Unverträglichkeiten oder besondere Wünsche direkt anzusprechen. Das gilt sowohl für Restaurantgäste als auch für unsere Hotelgäste beim Frühstück.

Apropos Frühstück: Spielt das mittlerweile eine größere Rolle als früher?
Ja, absolut. Gerade in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat das Frühstück enorm an Bedeutung gewonnen. Viele Gäste legen heute großen Wert auf ein ausgewogenes und hochwertiges Frühstück. Damit kann man als Hotel wirklich punkten. Wir merken auch, dass nicht nur Übernachtungsgäste kommen, sondern sich Menschen gezielt zum Frühstück treffen – zum Beispiel vor einer Wanderung. Dann sitzt man gemütlich zusammen, trinkt Kaffee und startet entspannt in den Tag.

Wie entstehen bei Ihnen neue Ideen für die Speisekarte?
Vorschläge kommen eigentlich aus dem gesamten Team. Natürlich arbeitet die Küche gemeinsam mit mir intensiv an der finalen Gestaltung der Karte, aber Ideen entstehen oft im Austausch miteinander. Das ist uns wichtig.

Die Gastronomie kämpft vielerorts mit Personalmangel. Spüren Sie das ebenfalls?
Ja, auf jeden Fall. Gerade qualifizierte Fachkräfte zu finden, bleibt schwierig. Das ist eine große Herausforderung für viele Betriebe. Gleichzeitig merken wir aber auch, dass das Arbeitsumfeld immer wichtiger wird. Natürlich spielt Geld eine Rolle, aber viele Menschen achten heute genauso darauf, ob sie sich im Team wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen.

Wenn Sie an die Zukunft denken – was wünschen Sie sich für die Oberlausitz?
Ich wünsche mir, dass die Oberlausitz noch stärker als touristische Region wahrgenommen wird – nicht nur in Deutschland. Die Landschaft, die Kultur und auch die Kulinarik haben unglaublich viel Potenzial. Es wäre schön, wenn die Menschen die Lausitz künftig nicht nur aus dem Wetterbericht kennen, sondern als attraktive Reisedestination.

Und wenn Sie selbst einmal frei haben – wo essen Sie dann gerne?
Im Urlaub probieren wir immer die regionale Küche der jeweiligen Gegend aus. Wenn wir in Skandinavien sind, essen wir skandinavisch, im Süden eher italienisch oder kroatisch. Dieses Interesse an regionaler Küche endet für mich nicht an der eigenen Haustür. Genau das macht Essen doch spannend.